Pressestimmen

Hier finden Sie Auszüge aus Zeitungsberichten zu vergangenen Veranstaltungen

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2012






2011



2010




 2011


»Ich bin Meisterin im Seufzen geworden ... «,

Frühlingshaftes Trio-Kammerkonzert begeistert die Zuhörer im evangelischen Gemeindehaus


Friedberg (rod). Heißes Sehnen, tiefer Gram, hoffnungslose Ein­samkeit, große Liebe, sanfte Me­lancholie... Eine riesige Band­breite an Gefühlen liefern die ro­mantischen Gedichtvorlagen, die mit der nötigen Dramatik ver-tont und musiziert werden wol­len. Sopranistin Kristina Schaum, Pianist Rüdiger Klein und Klarinettist Eric Rückgauer machten sich mit Leidenschaft an die Sache und boten im evan­gelischen Gemeindezentrum den rund 80 Zuhörern ein über­schwängliches, schwelgerisches Frühlingskonzert.


­­Das Programm war eine Reise durch die Liedwelt des 19. Jahr­hunderts, angefangen mit sechs deutschen Liedern von Louis Spohr von 1837. Einfache, klare Melodien im Sopran wurden ein­fühlsam begleitet von Rüdiger Klein am Klavier und immer wieder mit kontrapunktischen Verzierungen und Zwischenspielen von der Klarinette garniert ­das Publikum war vom ersten Ton an verzaubert. Das einfachste der Lieder war vielleicht auch das schönste, denn die Melodie des Wiegenliedes bewegte sich im Abstand einer einzigen Terz und, bediente sich nur dieser drei Töne, die doch so liebevoll von Kristina Schaum gesungen wurden.
Liederabend mit Kristina Schaum
Rüdiger Klein, Kristina Schaum und Eric Rückgauer (v. 1.) locken den Frühling in den Konzertsaal. (Foto: rod)
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Viel größer und dramatischer waren die Gesten bei Ermanno Wolf-Ferraris »Rispetti« und den »Sei Ariette da Camera«, den sie­ben Kammer-Arien von Vincenzo Bellini, einem der bekanntesten Vertreter des Belcanto. Hier konnte man selbst in der Kammermusik deutlich den Anklang an die große Oper heraushören, den Hang zu gloriosen Arien, gespickt mit Glissandi, Arpeggien und Verzierungen, Fast schon mit einen Augenzwinkern sind die Vertonungen des Deutsch-Italieners Ermanno Wolf-Ferrari - ein Schüler Rheinbergers - zu musizieren, der den heiteren italieni­schen Opera-Buffa-Stil mit Elementen des frühen 20. Jahrhun­derts anreichert. Seine affektbetonten, 1902 geschriebenen »Rispetti« erinnern sowohl an Rossi­ni als auch an Verdi oder Puccini, und man weiß nicht so richtig, wie ernst man den Text nehmen soll: »Ein blühender Mandelstrauch am Wasser ist -das leben­dige Bild meines Liebsten. .. « Kristina Schaum nahm die Melo­die heiter und mit Schmelz in der Stimme, mit dem richtigen Maß an Übermut.

Entsprechendes Seufzen gab sie dem kurzen Liedchen »Ach ich wusste nichts vom Seufzen« hinzu: »Ich bin Meisterin im Seufzen geworden.:.« Nicht um­sonst bedeutet »Rispetti« zu Deutsch »Empfehlungen«: Eine hervorragende Gelegenheit für eine Sopranistin, sich mit ihrem Können zu empfehlen, und Schaum tat das nur zu gerne.

­Die Sopranistin glänzte mit souveräner Intonation, ihre noch junge Stimme beherrschte die zarten Töne ebenso wie die dra­matischen Anklänge, die auch in einem weit größeren Raum ge­tragen ,hätten. Aus Friedberg stammend, hat sie in Freiburg Gesang studiert und ihre Ausbildung an der Opernschule kom­plettiert, was durchaus auch im Kammerkonzert durchschien. Mit Rüdiger Klein, und Eric Rückgauer begleiteten sie zwei gestandene Profis, und die drei Stimmen mischten sich hervorra-gend.
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Zu Recht ein Paradestück für die Besetzung ist Franz Schuberts Gesangsszene »Der Hirt auf dem Felsen«, die den krönenden Abschluss des heiteren Abends bildete. Der vor sich hin sinnende Wandernde, der in Liebe ver­sunken ist, wandte sich darin am Ende den heiteren Frühlingsgedanken und der Hoffnung auf erfüllte Liebe zu. Und nun, ganz am Schluss des Werkes, kamen im fröhlichen, schnellen Finale endlich die lang erwarteten Zeilen: »Der Frühling will kommen, Der Frühling, meine Freud«. Die-. se Stimmung riss die Zuhörer zu so viel Applaus hin, dass das Finale noch einmal wiederholt werden musste. Der Text nach Wilhelm Müllers »Gedichten aus den hinterlassenen Papieren eines reisenden Waldhornisten« war um einiges ernsthafter als die vorangegangenen Lieder, und es gelang dem Trio, ihm diese nötige Ernsthaftigkeit auch angedeihen zu lassen. Noch einmal zeigte sich, wie gut die drei sich in Dynamik und Akzentuierung genauestens abgestimmt hatten. Als kleine Zugabe bekam das Publikum zum Abschied noch ein »Veilchen- geschenkt - in der Vertonung von Mozart.
                                                                                                                                            ( Wetterauer Zeitung vom 17. 3. 2011 )


                                                                                                                                                                  Seitenanfang




21 000 Euro im vergangenen Jahr bereitgestellt
Freude und stilles Gedenken bei Mitgliederversammlung des Förderkreises Kirchenmusik
               
Friedberg (pm). Freude und stilles Gedenken lagen bei der diesjährigen Mitgliederversammlung des Friedberger Förderkreises für Kirchenmusik dicht beieinander: Freude über 136 Mitglieder, überwiegend aktive Sängerinnen und Sänger der Friedberger Kantorei, Eltern der etwa 100 Kinder­ und Jugendchormitglieder, aber auch weitere Liebhaber und Förderer der Kirchenmusik in Friedberg.

Freude auch über eine Fördersumme von 21000 Euro im vergangenen Jahr. In die Freude mischte sich die Trauer über drei im vergangenen Jahr verstorbene Förderkreismitglieder. In besonderer Weise wurde des früheren Vorstandsmitglieds Ursula Nohl gedacht, die zwei Jahrzehnte lang nahezu jedes große und kleine Konzert, jedes Gottesdienstsingen und viele Chorreisen mitgemacht hatte, die über viele Jahre die Kinderchorfreizeiten begleitet sowie zahlreiche Plakate, Handzettel, Einladungsschreiben und Programme gestaltet und jederzeit mit kleinen und großen Dienstleistungen die Chor- und Gemeindearbeit unterstützt hatte.

Die Vorsitzende Barbara Bieler eröffnete die Mitgliederversammlung nach den Formalia mit einem Bericht über die Aktivitäten des Förderkreises, die sich in erster Linie darauf richten, zusätzliche Konzertbesucher zu gewinnen und Spenden und Sponsorengelder zur Finanzierung von Angeboten der Kirchenmusik zu erhalten.
       Vorstand 2011
Der erneut gewählte Vorstand des Förderkreises Kirchenmusik: Ulrich Seeger, Barbara Bieler,
Volkhard Lüders, Sabine Wagner, Hendrik Hollender und Siegfried Preiser.
( Foto: pv )

Aus dem Bericht der Kassenwartin Sabine Wagner war zu entnehmen, dass die wiederum gestiegene Fördersumme entscheidend dazu beigetragen hat, anspruchsvolle Musik mit einer menschenwürdigen Honorierung der Musiker zu verbinden.
Etwa 5000 Euro an Mitgliedsbeiträgen und 16000 Euro an Spenden wurden unverzüglich zweckgebunden für die Chor- und Kinderchorarbeit, für die Öffentlichkeitsarbeit und für die Anschaffung eines E-Pianos bereitgestellt, welches inzwischen schon wertvolle Dienste, insbesondere in der Kinderchorarbeit, geleistet hat.

Nach der einstimmigen Entlastung des Vorstandes standen Wahlen an, für die alle bisherigen Vorstandsmitglieder erneut kandidierten und ohne Gegenstimmen wiedergewählt wurden: Barbara Bieler als Vorsitzende, Hendrik Hollender als stellvertretender Vorsitzender sowie Volkhard Lüders, Siegfried Preiser und Sabine Wagner als Beisitzer.

Der Kantor bedankte sich - auch im Namen der Kirchengemeinde - bei den Vorstandsmitgliedern für ihren erfolgreichen Einsatz.

Beate Habermehl überbrachte dem Förderkreis und seinem Vorstand den Dank des Kirchenvorstands und Ilse Etzel den Dank des Dekanats.

Kantor Ulrich Seeger gab einen knappen Rückblick auf die sehr unterschiedlichen Höhepunkte des Jahres 2010: von frühbarocker Chor- und Instrumentalmusik über Liebeslieder bis hin zum ergreifenden Deutschen Requiem von Johannes Brahms.

Es folgte ein Ausblick auf die kirchenmusikalische Planung für das Jahr 2011, die mit der Johannes- Passion von Johann Sebastian Bach im April einen ersten Höhepunkt erreichen wird, aber auch sonst in Qualität und Breite des Angebots keinerlei Einbußen hinnehmen muss.

Alle Veranstaltungen sind in gedruckter Form im Jahresprogramm zu finden, das in den nächsten Tagen wohl in allen Kirchen ausliegen dürfte, außerdem auf der Homepage des Förderkreises unter www.kirchenmusik-friedberg.de
.                                                                                                                           ( Wetterauer Zeitung vom 17. 2. 2011 )




                                                                                                                                                                                  Seitenanfang




Sie lassen die Musik für sich sprechen ...
Die Mitglieder des Römerberg-Quartetts gastieren in der vollbesetzten Burgkirche
   

Friedberg
(rod). Es ging um Herzensangelegenheiten bei diesem Konzert. Von der jugendlichen Schwärmerei bis hin zur tiefen Verzweiflung nach dem Tod der geliebten Ehefrau. Eine schwelgend-singende Violine, die die jugendliche Verehrung des jungen Felix Mendelssohn Bartholdy für die Tochter seines Nachbarn zeigt, und verzweifelte, dissonant heulende Glissandi aller vier Streicher, die den Schmerz Schostakowitschs über den Tod seiner ersten Frau verdeutlichen - so groß war die Spannbreite der Stimmungen, die das Römerberg-Quartett mit den Streichquartetten von Mendelssohn Bartholdy und Schostakowitsch mit in die Burgkirche brachte. Ziemlich banal dagegen der Hintergrund des Streichquartetts in B-Dur KV 159 des jungen Mozart, das das Programm komplettierte: Er hatte dieses »aus Langeweile« auf einer Italienreise »so nebenher« komponiert. Gut, dass sich danach ein italienischer Musikliebaber fand, der ihm den Zyklus noch abkaufte. Ein nichtsdestotrotz kompositorisch exzellentes Werk, fröhlich, und, naja, irgendwie auch unaufgeregt. Das Römerberg-Quartett startete damit leichtfüßig und mit Verve in das Konzert.

Alle Mitglieder des Ensembles, das sich nach seinem Probenort in der Schirn auf dem Frankfurter Römerberg benannt hat, sind renommierte Musiker in namhaften Orchestern der Region bzw. Lehrer an der Frankfurter Musikschule mit langjähriger Konzert- und Kammermusik-Erfahrung. Seit rund zehn Jahren musizieren sie nun schon zusammen, gastieren mit Mozart-Matineen regelmäßig bei den Salzburger Festspielen und unterhalten eine eigene Kammerkonzert­Reihe in Frankfurt.
Römerbergquartett
Das Römerbergquartett versteht, das Publikum in der Burgkirche zu begeistern  ( Foto: rod )

Michael Hahn und Andrea Döring (Violine), Hildegard Singer (Viola) und Stefanie Matros am Cello zeigten in der Burgkirche von Anfang an ein sehr ausgewogenes Klangbild und bewiesen, wie hervorragend sie aufeinander eingehen und miteinander musizieren können. Perfekt aufeinander eingestellt waren sie in Sachen Dynamik, Melodik und Klangfarbe: Das Quartett gab den Werken durchweg ·einen kraftvollen, warmen und kernigen Klang. Was vor allem das Mendelssohn-Streichquartett in Es-Dur op. 12 so richtig strahlen ließ. Der junge Komponist hatte es 1829 geschrieben und Betty Pistor, einer Nachbarstochter in Berlin, gewidmet, die er verehrte. Manche Freunde neckten ihn mit der Behauptung, das lyrische Quartett stehe - entsprechend Bettys Initialien - in B.P.-Dur, nicht in Es-Dur.

Kein Wunder, wenn man den zweiten Satz hört: eine Canzonetta, ein »Lied ohne Worte«, in dem die hohe Violine expressiv schwelgen darf. Michael Hahn tat dies mit großem Ton, das Römerberg-Quartett schwelgte mit - wenn auch, wie im ganzen Konzert - , ohne große Gestik oder Pathos, sodass sich kein Kitsch ausbreiten konnte. Der schnelle letzte Satz verlangte in allen Stimmen Fingerfertigkeit und Virtuosität und bot den Musikern Gelegenheit, ein Ausrufe­zeichen hinter ihre Leistung zu setzen.

Doch was wäre ein Konzertprogramm, wenn es nicht auch ein dunkles, tiefgründiges Werk böte, das Musiker und Zuhörer in besonderer Weise in Anspruch nimmt. Mit Dmitri Schostakowitschs Streichquartett Nr. 7 in fis-Moll hatten die Frankfurter eines ausgesucht, zu dem noch einige Worte anzumerken waren; etwa, dass der Komponist - anders als in seinen Sinfonien, die er »regimekonform« zu gestalten hatte - hier seinen Gefühlen freien Lauf lassen konnte. Komponiert 1960, ist es seiner verstorbenen ersten Frau Nina gewidmet. Trauer, Verzweiflung, Aufgewühltheit schrie aus der Musik, die auf bildhafte Art vermittelte, wie es in Schostakowitsch ausgesehen haben muss. Oft konnte sich das Ohr nicht richtig an einer Melodie festhalten, mal wurde der Zuhörer von wilden Sforzato-Schlägen aufgeschreckt, mal irritiert von einem dissonanten Zwiegespräch zwischen den Geigen und mal hingerissen von einer elegischen Cello-Klage.

Auffallend war die enorme dynamische Spannbreite des Römerberg-Quartettes, aber auch, dass sich die Musiker mit Gefühlsüberschwang sehr zurückhielten und es der Musik selbst überließen, für sich zu sprechen ­ höchst präzise musizierten sie, teilweise aber fast nüchtern, ohne die Ecken und Kanten der Werke überzubetonen. Vielleicht keine schlechte Wahl bei der Interpretation von Musik, die von sich aus so von Gefühlen über quillt. Das Publikum in der fast voll besetzten Burgkirche zeigte sich davon begeistert.
                                                                                                                                     ( Wetterauer Zeitung vom 17. 2. 2011 )



                                                                                                                                                                             Seitenanfang


 2010


Eine Musik vol
l feierlicher Freude 
Kantorei Friedberg und Barockensemble »Cantate Domino« interpretieren Werke von Michael Praetorius

Friedberg (arc). In einem beeindruckenden Konzert präsentierte die Kantorei Friedberg gemeinsam mit dem Barockensemble »Cantate Domino« und sieben Sängern unter Leitung von Kantor Ulrich Seeger die Musik von Michael Praetorius in der Stadtkirche. Besonders markant an dieser frühbarocken Chormusik waren die historischen Instrumente des Ensembles. Die Barockposaunen, Zinken und Streichinstrumente nach altem Vorbild fanden mit dem Chor der Kantorei und den Gesangssolisten zu einer Einheit, wie sie heute in der Musik selten erreicht wird. Passend zur Weihnachtszeit erklang die Musik als ein großes Ganzes ohne scharfe Ecken und Kanten. Dennoch war die Musik nicht langweilig. Sie war belebt und geprägt von einer feierlichen Freude. Neben der Kunst des Komponisten Praetorius, ergreifende Chorwerke zu schaffen, trugen die historischen Instrumente maßgeblich zum Gesamtklang des Konzertes bei.
Weihnachtskonzert2010_1  Weihnachtskonzert2010_2

Der Chor der Kantorei Friedberg mit dem Barockensemble »Cantate Domino«
unter Leitung von Kantor Ulrich Seeger (Foto rechts). Links ein heute »ausgestorbenes« Instrument: der Zink. (Fotos: arc)

So waren die Blasinstrumente wie Zink oder Barockposaune an die menschliche Stimme angepasst. Deshalb war auch an aufbrausenden Stellen der Werke der Klang der Bläser nur mit Mühe herauszuhören. Es fasste die Stimmen der Sänger vielmehr in einen großen weichen Rahmen und unterstützte sie. So war der Zink ( eine Art Horn mit Grifflöchern und Trompetenmundstück ) hier und da wie eine klare, aber nicht aufdringliche Oberstimme über den Sängern zu hören. Der vierstimmige Satz- Barockposaunen sorgte meist für ein wohlklingendes Fundament, das genügend Obertöne erzeugte, um den Gesang zu erleichtern. Das Besondere an den Barockposaunen ist ihr dünnes Rohr und der fehlende Kranz am Schalltrichter. Sie klingen voller und runder als heutige Posaunen. Von der Lautstärke her können sie mit ihren modernen Vettern nicht mithalten. Dafür klingen die Töne aber runder und brechen nicht so schnell auf wie bei modernen Blechbläsern, die dann bald zu »plärren« beginnen.

Zum Barockensemble »Cantate Domino« gehören Simon Heim, Maria Egenhofer ( Barockvioline ), Dietrich Hakelberg, Thomas Hasselbeck ( Zink ), Timothy Beck, Alexander Kowalsky, Christoph Hamborg und Ralf Krause ( Barockposaunen ), Alma Deller, Anne Weber ( Barockvioline ), Uta Kempkes ( Barockvioloncello ), Felix Görg ( Violone ), Gerlind Puchinger ( Theorbe ) und Andreas Gräsle ( Orgelpositiv ).

Auch die Gesangssolisten Kristina Schaum, Jutta Hahn, Eva Mensch und Kerstin Fuchs ( Sopran ), Jürgen Banholzer ( Altus ), Roland Johannes ( Tenor ) und Lorenz Miehlich ( Bass ) fügten sich mit klaren, festen Stimmen in das Konzert ein. Die Stimmführung der Sänger glich denen der Instrumentalisten, und diese waren klanglich an deren Stimmen angepasst. So entstand ein wohliger, manchmal bewegender Gesamtklang, bei dem sich der Konzertbesucher immer geborgen fühlte.

Die Solisten sangen stets mit Glanz in der Stimme. Alle Beteiligten ordneten sich der Musik als Ganzes unter und unterstrichen damit das Motto des Konzerts »Allein Gott in der Höh' sei Ehr«.

Michael Praetorius ( 1571 bis 1621 ) war der bedeutendste und produktivste Komponist seiner Generation und zählte neben Heinrich Schütz als der wichtigste Komponist des deutschen Frühbarock. Mit wunderbaren Sätzen wie »Es ist ein Ros' entsprungen« sind seine Werke bis heute bekannt. Unter Musikerkreisen ist er berühmt für seine musiktheoretische Abhandlung »Syntagma Musicum«. Sie ist heute noch die wichtigste Quelle zur Aufführungspraxis des deutschen Frühbarock. Die beeindruckende und großartige Chormusik, die Praetorius schrieb, gelangt heute leider kaum -noch zur Aufführung. Diese Lücke ist durch das Konzert in Friedberg ein klein wenig geschlossen worden.
                                                                                                            ( Wetterauer Zeitung vom 23. 12. 2010 )
                                                                                                                                                                                                                                                                                   
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"Kleiner Friedberger Guckkasten" der Wetterauer Zeitung vom 18. 12. 2010:

Die Nikolausmützen-Noten

Mützen-Noten
Viel Mühe machten sich nahezu alle Gruppen und Organisationen bei der Ausgestaltung ihrer Stände auf dem
29. Weihnachtsmarkt der evan­gelischen Kirchengemeinde vor. zwei Wochen auf dem südlichen Stadtkirchenplatz. Kerzen, Tannen, Sterne und vieles mehr war da an den 25 Ständen zu sehen. Etwas ganz Besonderes hatte sich der Förderverein Kirchenmusik einfallen lassen. Da die Seiten des weißen Pavillons doch recht trist aussahen, bastelten sie Noten und verzierten diese noch, passend zur Jahreszeit, mit roten Nikolausmützen. Diese tolle Deko war der Hingucker schlechthin, immer wieder sah man vorbeigehende Besucher lächeln, angesichts der »Nikolausmützen-Noten«. Und wir geben dieser wirklich schönen Idee die Note 1.                                        (har/Foto: Schuchardt)

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Eine von großer Dichte getragene Interpretation

Kantorei Friedberg und die Oberhessische Kantorei brillieren mit Brahms' »Ein Deutsches Requiem«

Friedberg. Am Ewigkeitssonntag führten in der Stadtkirche Friedberg und am vorangegangenen Samstag in der katholischen Heilig-Geist-Kirche Friedberg unter der Leitung von Kantor Ulrich Seeger die Kantorei Friedberg und die Oberhessische Kantorei in einem schwierigen Prozess entstandene »Ein Deutsches, Requiem« von Johannes Brahms (1833-1897) auf.
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Die Friedberger und Oberhessische Kantorei unter Ulrich Seeger

Der Text bei Brahms nennt zu Beginn Worte der Seligpreisung, die hier auf Erden den Leidenden und den Toten »Seligkeit und Trost verheißen«. Stärker als in den anderen Oratorien der damaligen Zeit ist der Chor als Träger des Gehalts in den Mittelpunkt gestellt. Die Solisten bringen gedanklich nichts Neues, greifen das vom Chor Angesprochene mit ihren hervorragenden Stimmen auf - Jana Reiner (Sopran) und Markus Lemke ( Bass ) - und vertiefen sie. Liedhafte, motettenartige und choralmäßige Passagen greifen ineinander, ebenso antiphone und responsoriale Techniken werden zitiert, getragen von bildkräftiger Exegese des Textes. Nicht selten fungiert die »Junge Philharmonie Friedberg« wie ein Chor, begleitend und nicht dominierend, sondern antwortend und weiterführend.


 Im dritten Teil klagt der Bassbariton, fährt aber dann insistierend fort: »Wes soll ich mich trösten ?« Gleich einer pastoralen Idylle singt der Chor in schlichtem, liedartigem Duktus mit: »Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr ... Wohl denen, die in deinem Hause wohnen, dich loben immerdar.« Im nächsten Satz fügt der Chor hinzu: »Ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, eure Freude soll niemand von euch nehmen .... ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.

 Nach diesen zurückhaltenden Sätzen präsentiert er in einer gewaltig gesteigerten Vision die Auferstehung, aber nicht als drohendes Gericht, sondern als mächtigen Triumph über den Tod: »Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo bist du? Wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg ?« Danach folgt als höchster Gipfelpunkt die mächtige Doppelfuge »Herr, du bist würdig zu nehmen Preis und Ehre und Kraft«. Vertrauensvoll, zart, majestätisch zugleich flutet die Botschaft »Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben, sie ruhen von ihrer Arbeit aus, denn ihre Werke folgen ihnen nach.« Ein echtes Requiem, ein, wahrer Friedensgesang!

 Es war eine bewundernswerte, von unglaublicher Dichte getragene Interpretation, die die Kantorei Friedberg und die Oberhessische Kantorei unter der feingeistigen Leitung von Ulrich Seeger, der mit stets angepasstem Dirigieren die wahrlich vielen Schwierigkeiten des. Opus für Solisten, Kantoreien und Junge Philharmonie Friedberg restlos ausschöpfte.

Vor den Brahms hatte Seeger eine eigene Komposition: Die Kantate »Zu Leben. Ewigkeit, Sterben- - Denn wir haben hier keine bleibende Stadt«, zu der er selbst die Texte ausgesucht hatte, eine Parallele zu Brahms, aber nicht die einzige. Aber sie führte Wunderbar zum Brahms-Oratorium hin. Aber man muss. anerkennen, dass Seeger in seinen sieben Sätzen in' keiner Weise epigonenhaft gearbeitet hat. Er schreibt seinen substanziellen, reichen Personalstil mit modernen Elementen .,: Passacaglia mit zwölftönigem Thema, erweiterte Septakkorde mit Quartschichtungen und synkopische drängende Rhythmen. Aber alles dient beispielhaft zur sprechenden Auslegung des textlichen Gehaltes. Hinzu kamen noch die Klangfarben, die die Charaktere der Stimmungen treffend ausloteten. Hier waren die Solisten, Instrumente und Chor insgesamt enorm gefordert und wussten mit iheem Spiel und Gesang zu exzellieren. Mit reichem Beifall dankten die vielen Zuhörer für das .Geschenk des Abends. 

 
Josef Flörsch                                                                                                              ( Wetterauer Zeitung vom 27. 11. 2010 )
 
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Die »London Dreams« werden wahr

15 Jahre Kinderoper unter Kantor Ulrich Seeger: Kinderchöre entführen Publikum ins 16. Jahrhundert
London Dream HauptdarstellerLondon Dreams Chor
Links im Bild die heiden Hauptdarstellerinnen Cora Aufdemkamp und Marieke Klöppel, rechts ein Blick auf das gesamte Musicalensemhle. (cor)

Friedherg
(cor). Bereits seit 1996 gestalten die Friedberger Kinderchöre nach ihrer Chorfreizeit in den Herbstferien ein größeres Bühnenwerk. Unter der Leitung von Kantor Ulrich Seeger präsentierten die jungen Gesangstalente nun zum 15-jährigen Kinderoper-Jubiläum das Musical »London Dreams« in der Burgkirche.

 Gleich zweimal entführten die Minis, Maxis, Jugendkantorei und Jugendchor Friedberg die Zuschauer am Wochenende ins 16. Jahrhundert. »London Dreams« feierte bereits große Erfolge in Westfalen, hier wurde das Musical in den ausverkauften Stadthallen Ahlen, Münster und Gütersloh aufgeführt. Das Stück stammt aus der Feder des erfolgreichen Duos Dr. Wolfgang König und Veronika te Reh. Seit über 25 Jahren ist das Ehepaar aus Beckum auf Kindermusicals speziali­siert.

Nach der »Zauberharfe« (2005) und »La piccola banda« (2008) hat Kantor Ulrich Seeger nun zum dritten Mal ein Werk aus der erfolgreichen Musikwerkstatt in Beckum gewählt. Mit historischen Klängen und Kostümen nimmt das Musical seinen Betrachter mit auf eine Reise ins Mittelalter.

Nach der Romanvorlage »Der Prinz und der Bettelknabe« von Mark Twain spielt die Geschichte zu Zeiten Heinrichs des VIII. Zwei Jungen werden am gleichen Tag geboren: Prinz Edward, gespielt von Cora Aufdemkamp, der heiß ersehnte Thronfolger des Königs, und Tom (Marieke Klöppel), der arme Bettelknabe. Beide Jungen entwickeln ihre Träume. Edward träumt davon, frei von höfischen Zwängen zu leben, währen Tom sich ein Leben wie ein Prinz wünscht, ohne Betteln und Hunger. Beider Träume werden überraschend Realität. Dabei entwickelt sich die Handlung des Musicals zu einer spannenden Geschichte, die nicht nur für Kinder geeign
et ist.

Für die passende musi
kalische Umsetzung sorgten dabei die Friedberger Stadtstreicher und Stadtbläser. Im Vordergrund standen aper natürlich die jungen Gesangs- und Schauspieltalente auf der Bühne. Intensives Gesangstraining der letzten Wochen und das Lernen von Texten hat sich dabei bezahlt gemacht. Von Lampenfieber war bei den Aufführungen nichts zu spüren. Mit großer Spielleidenschaft zeigten Tom, Edward und Co. beachtliche Leistungen, welche auch vom Publikum mit großem Applaus honoriert wurden.

Kantor Ulrich Seeger ist es auch im Jubiläumsjahr bestens gelungen, an die musikalischen Erfolge der Vorjahre anzuknüpfen. Die »London Dreams« sind in der Friedberger Burgkirche wahr geworden
.
                                                                                                                   ( Wetterauer Zeitung vom 16. 11. 2010 )
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»Voll besetzt klingt die Kirche einfach besser«

Förderverein Kirchenmusik besteht seit 15 Jahren 

Friedberg (caj). »Natürlich würde niemand sagen, es gibt zu viele Spenden.« Doch fließen die Gelder an den Förderverein Kirchenmusik der evangelischen Kirchengemeinde Friedberg laut dem 2. Vorsitzenden Hendrik Hollender seit der Gründung im Oktober 1995 beständig. Die rund 20000 Euro Einnahmen im Jahr setzen sich aus Spenden von Musikbegeisterten Friedbergern und Beiträgen der 143 Mitglieder zusammen. Seit 15 Jahren finanziert der Förderverein die Friedberger Kantorei inklusive Jugendchor. Zu den geförderten Aktivitäten zählen unter anderem regelmäßige Chorfahrten und Höhepunkte wie das Weihnachtskonzert. Auch aktuell steht ein besonderes Musikereignis an: Johannes Brahms »Ein deutsches Requiem: Kantate zu Leben, Sterben, Ewigkeit« am Samstag, 20. November, in der Heilig-Geist-Kirche und am Sonntag, 21. November, in der Stadtkirche.

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Die Friedberger Kantorei probt unter der Leitung von Chorleiter-Vertretung Bernd Straib. Die Vorstandsmitglieder des Fördervereins ( v. l. ) Volkhard Lüders, Barbara Bieler, Sabine Wagner und Siegfried Preiser. Nicht-Sänger Hendrik Hollender fehlt.

Der Förderkreis Kirchenmusik sei aus einer Idee des Kantors Ulrich Seeger geboren, sagt die Vereinsvorsitzende Barbara Bieler, die sich um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert und ab und zu »beim Bürgermeister um mehr Zuschüsse bettelt«. Weil er immer hochwertige Musik machen wolle, brauche der Kantor dementsprechend Geld. »Ulrich Seeger ist ein Vollprofi«, lobt Hollender, der als einziges Vorstandsmitglied nicht singt - »außer früher bei den Pfadfindern und in der Badewanne«, Vielmehr fungiert der Stadtverordnetenvorsitzende als politischer Kontakt und hilft beim Einwerben von Fördergeldern. Weitere Vorstandsmitglieder sind Schriftführer Siegfried Preiser, Kassenwart Sabine Wagner und Volkhard Lüders, der für die Hornepage - und Mitgliederverwaltung zuständig ist.

Die Hauptaufgabe bestehe darin, Ideen zu entwickeln, wie man noch mehr Zuhörer bekommt. Zum einen aus finanziellen Gründen, zum anderen, »weil es uns wichtig ist, gehört zu werden«, sagt Preiser. Einmal die Woche übt die Kantorei im Gemeindehaus unter Seegers Anleitung. Die Vorbereitungen für das »aufwendige und teure« Brahms-Konzert im November haben längst begonnen. Hollender: »Vom Orchester und den Solisten können wir etwas Großes erwarten.«

Neben heimischen Auftritten in Friedberg, Rosbach oder Butzbach zieht es den Kirchenchor mindestens einmal im Jahr in die Ferne. Besonders eng ist die Verbindung zu Zwerenberg im Schwarzwald, der Heimat des Kantors. »Dort gab es auch schon gemeinsame Auftritte mit deren Chor«, sagt Hollender. Im Rahmen des Frankfurter Kirchentags hat die Kantorei eine Eigenkomposition Seegers aufgeführt. Neben dem Orgelfestival in Laubach gab es einen Besuch bei einer deutschen Gemeinde in der Nähe von Madrid. Dieses Jahr ist eine Fahrt zu den Friedberger Partnerstädten Magreglio und Oliveto Lario in Italien geplant. »Das wird aber vielleicht an den Kosten scheitern«, räumt Bieler ein. Im nächsten Jahr, so Hollender, soll es dann in die europäische Kulturhauptstadt 2011, Tallin in Estland, gehen. In den vergangenen 15 Jahren hat der Förderverein Kirchenmusik, Podeste, einen Flügel und eine kleine Orgel gekauft. Pro Jahr können um die fünf neuen Mitglieder geworben werden, sagt Bieler. Die Strategie: »Wir versuchen neue Chormitglieder immer auch zum Eintritt in den Förderverein zu bewegen.« Die Mitgliedschaft koste 30 Euro im Jahr, wobei die meisten Mitglieder sogar freiwillig mehr zahlten. »Und ein bisschen betteln«, fügt sie schmunzelnd hinzu. Besonders wichtig ist dem Vereinsvorstand, dass die großen Brahms-Konzerte im November gut besucht werden. Preiser: »Voll besetzt klingt die Kirche einfach besser.
«                                                                ( Wetterauer Zeitung vom 27. 10. 2010 )

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Strawinski-Messe in der Stadtkirche

Friedberg (rod). Igor Strawinski sagte einmal, er habe seine Messe geschrieben, als er einige Messen von Mozart in einem Noten-Secondhand-Laden erworben hatte. Bei der Lektüre habe er sich gedacht: »Ich müsste auch eine Messe schreiben, aber eine ›richtige‹ für den Gottesdienst«. Wenn auch nicht im Gottesdienst, so doch in der Stadtkirche hat Kantor Ulrich Seeger diese tief beeindruckende Musik zu Gehör gebracht.

Chor:Stravinski

Das Zwerenberger und Friedberger Vokalensemble und die Bläser der Jungen Philharmonie Friedberg unter Leitung von Ulrich Seeger.
(Foto: rod)

Seeger wurde unterstützt von Bläsern der Jungen Philharmonie Friedberg und einem kammermusikalisch besetzten Chor aus Sängern des Zwerenberger und Friedberger Volkalensembles. Die geringe Sängerzahl machte es möglich, der filigran angelegten Stimmführung bei Strawinski, Bruckner, Schütz und Seeger umso besser zu folgen und entwickelte in den Forte-Passagen eine erstaunliche Kraft, die in der monumentalen Akustik der Kirche zur Geltung kam.

Strawinskis Messe fällt nicht nur durch die dissonante Harmonik und freitonale Melodieführung aus dem Rahmen der gängigen Kirchenmusik, auch die Besetzung ist außergewöhnlich: Fünf Blech- und fünf Holzbläser begleiten den Chor - bei diesem Konzert absolut souverän und einfühlsam - und gehen meist noch darüber hinaus, setzen Klangfarben-Akzente und haben tragende Rollen. Wenig Effekthascherei ist enthalten, dafür baut sich die Spannung an manchen Stellen zu einer fast eruptiven Klangwolke auf. Der zentrale Satz, das in der Mitte stehende Credo, enthält nach Strawinski »vieles, was es zu glauben gilt.« »Kalte« Musik wollte er schreiben, die sich direkt auf den Geist der Worte beziehe und ihnen so Nachdruck verleihe. Und tatsächlich, die Musik hält so viele Stimmungen bereit: Trauer, Hoffnung, Ernsthaftigkeit, oft entsteht auch der Eindruck eines inneren gespannten Drängens und Getriebenseins, ganz selten nur so etwas wie reine Freude. Ulrich Seeger gelang es mit seinem Ensemble, die Stimmungen eindrucksvoll herauszuarbeiten, indem er ihnen Raum zum Nachklingen gab und mit Dynamik und feiner Phrasierung arbeitete.

Zu Strawinski passend hat Ulrich Seeger eine eigene Komposition und einige Vokalwerke von Anton Bruckner gestellt, die sowohl von der Besetzung wie auch in ihrer theologischen Aussage und Tonsprache miteinander verbunden sind. Ulrich Seeger orientierte sich in seiner Psalmvertonung »Der Herr ist mein getreuer Hirt« von 1985 kompositionstechnisch am spätromantischen Bruckner, den er als seinen Leitstern zu der Zeit bezeichnet. Tonal freie Harmonie- und Melodieführung mit dissonanten Akkorden und ungewöhnliche Takt-artenkombination kennzeichnen seine Kantate, die sich direkt an Strawinskis Bläserbesetzung anlehnt. Das Werk lebt vor allem von den reichen Klangfarben, die den Text interpretieren: so etwa die schleifenden Posaunen, die das finstere Tal illustrieren, oder die friedvolle Meditation des Englischhorns als Zwischenspiel und Hinführung auf das zuversichtliche und hoffnungsfrohe Ende des Psalmtextes. Markus Lemke übernahm mit seiner runden, tragenden Bassstimme souverän den Solopart, auch Chor und Orchester, inzwischen gut vertraut mit Seegers Werken, konnten die tiefgründige Musik adäquat umsetzen.

Wer sich darauf einließ, hatte ein großartiges Hörerlebnis, vor allem im Kontrast mit den Bruckner-Werken. Das »Libera me, domine« für Chor und Bläser spielte mit der wogenden Dynamik und dem Nachhall der Forte-Phrasen, sodass das Ohr stellenweise nicht mehr genau ausmachen konnte, ob der Chor noch sang oder nur noch das Echo in die Musik hineinklang. Beeindruckend, wie Seeger Chor und Musiker austarierte, und wie homogen das Klangbild auch bei diesem Konzert wirkte. Ein Ruhepunkt des Programms war sicherlich Bruckners feierlich-stilles A-cappella-Werk »Locus iste«, das mit seinen sich verwebenden Melodien und sich auflösenden Dissonanzen unter die Haut kroch, ein Werk, wie für die Akustik der Stadtkirche geschaffen. Man konnte den Text tatsächlich nachvollziehen in der zutiefst friedlichen Musik: »Dieser Ort ist von Gott geschaffen, ein unschätzbares Geheimnis...«
                                                                                                                                                 ( Wetterauer Zeitung vom 13. 10. 2010 )

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Wenn Principe und Principessa musizieren

Friedberg (rod). Auf die Spuren der beiden komponierenden und musizierenden königlichen Geschwister Friedrich der II., genannt der Große, und seiner Lieblingsschwester Wilhelmine, begaben sich Sabine Dreier und Johannes Vogt bei ihrer Soiree in der Burgkirche. Als »Duo Mignarda« entführten sie mit historischer Traversflöte und Barocklaute in eine Zeit, die von politischen Intrigen und Krieg einerseits und regem kulturellem Leben an den Höfen Berlins und Bayreuths andererseits geprägt war.

Johannes Vogt und Sabine Dreieri 
Johannes Vogt und Sabine Dreier gestalten die »markgräfliche Soiree« im Rahmen des Tages des offenen Denkmals. (Foto: rod)

So prächtig wie die Rokoko-Verzierungen am Palais des markgräflichen Bayreuther Hofes Wilhelmines, so klingt auch die Musik, die dort zum höfischen Leben gehörte. Verspielt, meist heiter, voller Triller, praller und kleiner Läufe und Vorschläge - die Barockmusik am Musenhof der Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth im 18. Jahrhundert lädt geradezu zum Träumen ein. Sabine Dreier und Johannes Vogt spürten dem Geist der Epoche nach und interpretierten die Sonaten und Fantasien der höfischen Meister mit einer souveränen Leichtigkeit, die das Zuhören zum Genuss machte. Das Programm hatten sie aus Kompositionen Wilhelmines und von Friedrich selbst zusammengestellt und diesen Duosonaten von Komponisten beigefügt, die allesamt ebenfalls an einem der beiden Höfe - Bayreuth und Berlin - residierten. Von Jakob Friedrich Kleinknecht zum Beispiel, der am Bayreuther Hof wirkte und im Sturm und Drang-Stil die Sonata II in e-Moll schrieb. Pfiffig, hüpfend und verspielt klingt darin das Allegro non molto, und Flöte und Laute treten darin durchaus gleichberechtigt miteinander in Dialog. Schön für Vogt, der sich bei den Barocksonaten meist auf die begleitenden Akkorde zur anspruchsvollen Melodiestimme der Flöte beschränken musste. Hervorragend aufeinander eingespielt, kommunizierten Dreier und Vogt miteinander - bei allen Werken.

Wilhelmine und Friedrich liebten das Musizieren schon von klein auf, vielleicht auch, um der teils grausamen Erziehung und den Intrigen am Hofe für eine Weile zu entkommen. Friedrich nahm als Kronprinz sogar heimlich, gegen den Befehl seines Vaters, Flötenunterricht bei Johann Joachim Quantz und begab sich damit in Lebensgefahr. Am preußischen Hof scharte er später ebenso Musiker und Musiklehrer um sich wie Wilhelmine in Bayreuth, wohin sie mit 22 Jahren aus politisch-taktischen Gründen verheiratet wurde. 30 Jahre lang fast prägte sie dort als Markgräfin das Musikleben und komponierte selbst, jedoch sind fast alle Werke verschollen. Eines der wenigen, von denen man glaubt, sie könnten von Wilhelmine sein, hatten Dreier und Vogt im Programm, die Sonate in a-Moll. Sie ist melancholisch geprägt, im zweiten Satz ist gar die Melodie von »O Haupt voll Blut und Wunden« erkennbar, wahrscheinlich hat Wilhelmine sie geschrieben, nachdem ein Freund zu Unrecht hingerichtet wurde. Wenn diese Komposition auch typischen Barockschemata folgt und sicherlich nicht die kunstvollste unter ihnen ist, so wohnt den reich verzierten Melodien doch ein Zauber inne, den Dreier und Vogt ans Licht holten. Sie prägten die Werke vor allem durch die filigrane dynamische Ausgestaltung und Phrasierung und ließen die längst vergangene Zeit so wieder ein Stück lebendig werden.
                                                                                                                                                       (  Wetterauer Zeitung vom 16. 9. 2010 )
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Förderkreis Kirchenmusik finanziert elektrisches Klavier


Kinderchor mit E-Piano

Mit Mitteln des Förderkreises Kirchenmusik wurde für die Arbeit der Chöre der Evangelischen Kirchengemeinde ein klangstarkes E-Piano angeschafft. Insbesondere die Kinder- und Jugendchöre werden – wie auf diesem Bild – davon profitieren, dass nunmehr die räumliche und klangliche Reichweite deutlich erhöht wurde. Schon weit mehr als zehn mal wurde es in kürzester Zeit eingesetzt. Bei den Chorfreizeiten, Kinderopern, Musicals, Gemeindefesten, aber auch bei Besuchen in Partnerstädten und anderen Orten werden die Klangmöglichkeiten dieses Instruments wertvolle Dienste leisten.
( Foto: P. G. Nohl, Text: prs )                                                                                ( Wetterauer Zeitung  vom 9. 9. 2010 )

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Das Wort steht im Vordergrund

Viertes Sommerkonzert mit Solisten und
Barockensemble »Cantate Domino« widmet sich Heinrich Schütz


Friedberg. Der 425. Geburtstag von Heinrich Schütz (1585 bis 1672), dem »Urvater« der deutschen protestantischen Kirchenmusik, war gebotener Anlass für ein Konzert in der Stadtkirch. Die Ausführenden waren Thomas Jakobs und Ulrich Seeger (Tenor), Matthias Horn (Bass), Christoph Hesse und Dorothee Hesse (Barockvioline), Barbara Noeldeke (Barockvioloncello), Peter Kranefoed (Orgelpositiv), Toshinori Ozaki (Theorbe) und Felix Görg (Violone) sowie das Barockensemble »Cantate Domino« mit dem in Friedberg bekannten Christoph Hesse als Leiter.

Das Geistliche Konzert von Heinrich Schütz zum 425. Geburtstag mit virtuoser Vokal- und Instrumentalmusik aus »Geistlichen Konzerten - Symphoniae sacra I, II, III« wurde mit »Symphoniae SWV 267 - Benedicam Dominum in omni tempore« für zwei Tenöre und Bass, Violine und Basso continuo eröffnet und demonstrierte sofort die Virtuosität und Klangfülle des Ensembles anhand des barocken Charakters, des konzertanten Stils, der Rhetorik der Vokalsolisten. Bei Schütz steht der Text, das Wort im Vordergrund. Er muss als Wort Gottes durch beste Artikulation und Rhythmisierung stets verständlich sein, was den Sängern mit ihren hervorragenden Stimmen in äußerster Präzision und vollendeter Homogenität gelang.

Aus den »Symphonien sacrae« erklangen die Psalmvertonungen »Jubilate Deo omnis Terra« . für Bass und Basso continuo, die Matthias Horn mit seiner kernigen Stimme sang und dabei den »jubelnden« Charakter und den »Dank an Gott« herausarbeitete und die das Continuo in seinen Partien mit verschiedenen Tempi begleitete. Später erklang der sechsteilige Psalm 121 »Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen« SWV 399 für die drei Sänger und das Ensemble, bei denen alle Teile sehr ausdrucksstark in polyfoner Manier bearbeitet wurden.

Das nächste Stück war das Deutsche Konzert für zwei Tenöre, zwei Violinen und Basso continuo, SWV 359 »Der Herr ist mein Licht und mein Heil«, in dem Schütz einen neuen Klang anschlug, nämlich für zwei Violinen. Noch einmal erhielt der Bass eine Aufgabe mit »Jubilate Deo omnis Terra« (Jubelt dem Herrn alle Völker) für zwei Violinen und Basso continuo, zu dessen Lob er seine Stimme mächtig anhob. Der erste Tenor fordert mit mehrfach anspringendem Dreiklang Unterstützung bei »Es steh Gott auf!« und fährt dann in abstürzenden Skalen fort ». .. auf dass seine Feind zerstreuet werden. Und die Ihn hassen, vor Ihm fliehen« Kennzeichnend ist, wie anschaulich Schütz die gegensätzlichen Bilder komponiert hat.

Seine großartige Choralbearbeitung »Von Gott will ich nicht lassen« SWV 368 beginnt mit einer breiten Symphonie für das Instrumentalensemble, die dann das motivische Material des cantus firmus in allen Strophen auf das Kunstvollste unablässig variiert. Diejenigen Strophen, die nur von den Singstimmen bestritten werden, sind mit Instrumentalnachspielen ausgestattet.

Zum. Abschluss der Complet, als Canticum der Vesper, zum Gedächtnis der Entschlafenen und zum Ende des Kirchenjahres wird gern das tröstliche Canticum »Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren« (Lukas 29) für Bass und Basso continuo SWV 352 gesungen. In den meisten Fällen werden die Affekte bei »Schmerz« und »Trauer« eingesetzt. Bei »Buccinate in eomenia Tuba« für zwei Tenöre, zwei Violinen und Basso continuo SWV 215 »Auf, blaset am Fest des 'Neumondes die Tuba ... « wird hier ein freudiger Affekt angesprochen. Gleiches trifft auch bei dem Madrigal »Jubliate Deo« (Lobt den Herrn, unsern Herren, singt und jubilieret, Alleluja) SWV 276.

Zusammenfassend muss man sagen, dass diese virtuose Vokal- und Instrumentalmusik trotz aller Schwierigkeiten der rasanten Tonrepetitionen die Zuhörer zutiefst berührt hat, wie es voll Dank den Solisten und Instrumentalisten für ihre ungemein dichte und spirituelle Interpretation bestätigt wurde.
Josef Flörsch
                                                                                                                                ( Wetterauer Zeitung vom 12. 8. 2010 )
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Virtuose Orgelmusik der großen Meister

Eröffnung der Friedberger Sommerkonzerte: Toccata, Passacaglia, Fuge aus vier Jahrhunderten

 
Friedberg (ehr). Zur Eröffnung der Friedberger Sommerkonzerte zog Ulrich Seeger alle Register: Den zahlreichen Zuhörern präsentierte der Organist in der Stadtkirche Orgelmusik aus vier Jahrhunderten. Die Kompositionen standen ganz im Zeichen Europas: Boёllmann, Bach und Reger zeigte Seeger von ihrer kosmopolitischen Seite.
»Toccata, Passacaglia und Fuge« lautete der vielversprechende Titel des Eröffnungskonzerts; und die Zuhörer wurden nicht enttäuscht:
Organist Seeger meisterte jede der drei großen Formen der Orgelliteratur mit hoher technischer und künstlerischer Qualität. Den stilistischen Anforderungen wurde er sowohl bei den Werken aus dem Barock als auch der Romantik gerecht.
Den Auftakt bildete Sweelincks Toccata in a. Anschließend folgte die Toccata in d-Moll von Dietrich Buxtehude, ein von Seeger virtuos vorgetragenes Werk des freien Orgelstils. Klangmächtig baute sich in barocker Manier ein gewaltiger Anfang auf; die fugierten Zwischensätze und den Schlussteil gestaltete der Organist äußerst transparent und variabel. Schnelle Passagen, die höchste Fingerfertigkeit erforderten, meisterte er dank seiner spieltechnischen Fähigkeiten souverän.

Kantor Ulrich SeegerOrganist Ulrich Seeger. (Foto: pv)

Nach der Passacaglia in d des Süddeutschen Orgelmeisters Johann Kaspar Kerl wagte sich Seeger an eines der Meisterwerke der Or­gelliteratur; Bachs dorische Toccata. Seine bewegende Interpretation rührte die Zuhörer. Ebenso gebannt lauschten sie der Toccata und Pas­sacaglia Georg Muffats, der als musikalischer Kosmopolit im 17. J ahrhundert eine wichtige Rolle beim Austausch europäischer Musiktra­ditionen spielte. Einen stilistischen Kontrast zur barocken Orgelliteratur stellte die Suite gothique op. 25 des französischen Komponisten Léon Boёllmann dar. Das romantische Werk stellte nicht nur Seeger, sondern ebenso die dem barocken Klang-Ideal verpflichtete Orgel der Stadtkirche vor große Herausforderungen. Seeger wusste sich allerdings zu helfen: Geschickt kombinierte er die zur Verfügung stehenden Register und erzielte eine subtile Farbigkeit sowie dank des passenden Einsatz des Schwellers hohe dynamische Flexibilität. Insbesondere der langsame dritte Satz des Werks, Prière a Notre Dame, schwebte in seiner Zartheit durch das Kirchenschiff und erzeugte eine kontemplative Stimmung.
Bachs Passacaglia c-Moll kam mit dem acht-taktigen Pedalsolo, gefolgt von 20 Variationen und einer Fuge weitaus mächtiger daher. Dra­matisch steigerte sich das Werk bis zur 12. Variation, dann bildeten. drei Variationen einen ruhigen Kontrast. Die Fuge griff einen Teil des Themas auf und spannte damit einen motivischen Rahmen
Max Regers Toccata und Fuge D­Dur bildeten das gewaltige Schlusswerk. Silbrig-metallische Prinzipale und durchdringende Zungenregister gingen Hand in Hand mit der expressiven Harmonik Regers und bescherten den Zuhörern einen letzten dramatischen Höhepunkt des Orgelkonzerts
Mit anhaltendem Beifall dankten die begeisterten Zuhörer dem Organisten für seine großartige Leistung. Ulrich Seeger hat Maßstäbe gesetzt. Man darf auf die weiteren Sommerkonzerte gespannt sein.
                                                                                                                                                            ( Wetterauer Zeitung vom 22. 7. 2010 )

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»
Von Lust, Liebe und Leide«

Friedberger Kantorei begeistert mit zwei Sommerkonzerten im Albert-Stohr-Haus ihre Zuhörer

Friedberg. Die Friedberger Kantorei der evangelischen Kirchengemeinde feierte mit zwei Konzerten im Albert-Stohr-Haus ihre traditionellen Sommerkonzerte und überraschte ihre Zuhörer dabei mit einem anspruchsvollen, rein weltlichen Programm, das von den Anwesenden als gänzlich anders mit Freude aufgenommen wurde. Regionalkantor Ulrich Seeger hatte drei Komponisten ausgewählt und die Œuvre von ihnen unter das Motto »Von Liebe, Lust und Leide« gestellt und damit die sicherlich wichtigsten und allen bekannten Charakteristika getroffen.

Die Pianisten Georg Klemp und Rüdiger Klein eröffneten das Konzert mit drei Ungarischen Tänzen (Nr. 1 in g-Moll, Nr.4 in f-Moll und fis-Moll) von Johannes Brahms (1833 bis 1897) und beeindruckten sofort mit dem von Johannes Brahms unverwechselbaren, anspruchsvollen und souveränen Klaviersatz, der mit den angesprochenen, nicht unbekannten Melodien das Publikum unmittelbar berührte. An zweiter Stelle des Programms standen vier A-cappella-Chöre von Hugo Distler (1908 bis 1942) aus seinem »Mörike-Chorliederbuch« (1939), zu dem der Komponist selbst schreibt: "Was mich als Chorkomponist gerade zu Mörike hingezogen hat, ist zunächst seine innerhalb des 19. Jahrhunderts einzig elementare rhythmische Kraft und Freizügigkeit, und daneben in hohem Maße an das alte deutsche Volkslied gemahnende Objektivierung des poetischen Gehaltes durch die künstlerische Formung ... «.  Dafür boten  »Der Vorspruch«, »Ein Stündlein wohl vor Tag«, »Jedem das Seine« und »Die Tochter der Heide« der Friedberger Kantorei unter dem packenden, den Rhythmus scharf konturierenden Dirigat von Ulrich Seeger die Möglichkeit, die gebotene Farbe und deren Charakter zu einen.

Die Pianisten Georg Klemp und Rüdiger Klein setzten in der Fortführung der brahmsschen Ungarischen Tänze (Nr. 19 in h-Moll, Nr . 20 in e-Moll und Nr. 21 in e-Moll) mit den Akkordballungen, den weitgriffigen Begleitfiguren, den extremen Bass- und Diskantlagen, den polyrhythmischen Verschlingungen und den kontrastreichen dynamischen Gegensätzen als Herausforderungen für ihre virtuose Potenzen wirkungsvolle Akzente und erhielten anerkennenden Beifall. Nach den anspruchsvollen Werken der Klavierliteratur setzte der Chor zu einem Highlight des romantischen Chorsingens an, dem berühmten »Zigeunerleben mit Klavierbegleitung« von Robert Schumann (1810 bis 1856), in dem Emanuel Geibel das freie, unstete Leben der Zigeuner beschreibt, das von den Deutschen damals wegen der Fremdartigkeit oft bewundert, ja sogar beneidet wurde. Diese plastisch gezeichnete, kleine Szene wurde von der Friedberger Kantorei mit ausgeprägt exotischem Timbre vollzogen.

Wien, die Stadt, die für Brahms nur ein Reiseziel war, inspirierte ihn, als sie ihm zur Wahlheimat wurde, 1869 zur Komposition der .Liebeslieder-Walzer op. 52 für Gesang und Klavier. Die Texte der 18 Walzer entnahm er russischen, polnischen und ungarischen Gedichten aus dem »weltpoetischen Liederbuch Polydora« von Georg Friedrich Daumer (1800 bis 1875). Mit seinen lebenssprühenden, schwelgerischen, sinnenfrohen, mitunter auch melancholischen Walzern schuf Brahms eine ganz persönliche Hommage an die WienerVolksmusik, die er an Ort und Stelle kennen- und lieben gelernt hatte und die - dank ihrer weinseligen Behaglichkeit, ihrer Nähe zum slawischen Musikantentum und ihrer Affinität zur sogenannten Zigeunermusik - ihn unwiderstehlich anzog.

Die einzelnen Stücke bilden in ihrer Gesamtheit keinen durchgängigen Zyklus, sondern vielmehr ein Kaleidoskop zum Thema Liebe, Glück und Kummer, was die Chorsängerinnen und -sänger mit den Solisten Ulla Hahn und Ulrich Seeger den -zahlreichen Besuchern bereichernd vermitteln konnten. Diese dankten mit reichem Beifall und wurden mit der Wiederholung von Zigeunerleben belohnt.


Josef Flörsch                                                                                                              ( Wetterauer Zeitung vom 1. 7. 2010 )

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»Da Jesus an dem Kreuze stund«


»Musik zum Karfreitag« mit dem Vokalensemble Friedberg und Kantor Ulrich Seeger in der Burgkirche

Friedberg. Ergriffen von der »Musik zum Karfreitag« waren dieser Tage viele Zuhörerinnen und Zuhörer, die auf Einladung der evangelischen Kirchengemeinde Friedberg in die Burgkirche gekommen waren. Das lag einmal an dem ausgezeichneten Programm und den Werken, die musiziert wurden: an das Trostreiche 53. Kapitel aus dem Propheten Jesaja von Melchior Franck (1580 bis 1639), an »Da Jesus an dem Kreuze stund«, Choralvariationen für Orgel von Samuel Schein (1587 bis 1654), und am Hauptwerk »Die Johannes-Passion« von Heinrich Schütz SWV 481 (1585 bis 1672).

Wohlweislich begann Regionalkantor Ulrich Seeger das Konzert ohne Glockengeläut und Begrüßungsworte, dafür mit dem fast nie zu hörenden, aber gewichtigen Trostreichen 53. Kapitel aus dem Propheten Jesaja von Melchior Franck. Er war in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit fast 1500 bekannten Kompositionen einer der produktivsten Komponisten Deutschlands, stilistisch deutlich in der Nachfolge von Orlando die Lasso.

Das Trostreiche 53. Kapitel aus dem Propheten Jesaja für vier Stimmen a cappella bot von der frühesten Zeit der Christenheit an die Gegebenheit, das Leiden des »Gottesknechtes« mit den Aussagen über das Leiden Jesu zu verbinden: »Auch er hat unsere Krankheit getragen, und unsere Schmerzen auf sich geladen.« Melchior Franck exegiert mit aller Kunstfertigkeit den Text, wechselt ausdrucksstark ab mit homogenen und polyfonen Partien, einer »falsi-borduni«-Stelle und extremen Rhythmen, die prononcierte Artikulation erfordern.

Als instrumentalen Kontrast spielte Ulrich Seeger die Choralvariation über den Passions-Choral »Da Jesus an dem Kreuze stund« mit den Abwandlungen, wie sie in seinen vielen Variationswerken häufig vorkommen. Alle Gegenstimmen sind an die Substanz des Cantus firmus gebunden und durch Registerwahl, Artikulation und Phrasierung verstärkt.

Als Hauptwerk der »Musik zum Karfreitag« erklang die »Johannespassion - Historia des Leidens und Sterbens unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi nach dem Evangelisten St. Johannes SWV 481«, die der 80-jährige Heinrich Schütz (1585 bis 1672) im Auftrag seines Landesherren geschrieben hat. Sie gehört gattungsmäßig zur »responsorialen Historienmusik«. Da damals in der Passionszeit keine Instrumente erklingen durften, ist sie für Einzelstimmen und vierstimmigen A-cappella-Chor geschrieben. Für die Passion gilt folgendes Formgesetz: unbegleitetes Rezitativ für Erzähler, Einzelpersonen (Soliloquenten), Jesu, chorisches Reden der Menge (turbae). Größte Herausforderung für Heinrich Schütz waren die Rezitative, die dem Text dienenden Ausdruck finden müssen. Ausdruck heißt: sinnvolle Betonung des Wortes; völlige Einheit des Wortes mit dem Ton, stets voller Ausdruck des Textes, eine für den Lutheraner Schütz unabdingbare Voraussetzung.

Diese für Schütz wichtige Parameter erfüllten die Vokalisten insgesamt in hervorragender Weise: Martin Steffen (Evangelist); Martin Wistinghausen (Jesu Worte); Jutta Hahn (Magd); Armin Schmid (Petrus); Rainer Hahn (Knecht des Hohenpriesters); Ulrich Seeger (Pilatus); dann die Volksmengen (turbae), stark charakterisiert in ihrer Wut, Hass, Intoleranz, Vernichtungsrausch und Mordlust, verkörpert vom Vokalensemble Friedberg. Allen Mitwirkenden kann nur hohes Lob gezollt werden wegen ihrer Intensität und ihrer Darbietung anlässlich des 425. Geburtsjahres von Heinrich Schütz.

So gelang es den Musizierenden in der Burgkirche mit ihrer »Musik zum Karfreitag«, dass sie - mitgetragen von den modernen Bildern des »Passions-Zyklus’« des Frankfurter Künstlers Bleymehl - die Menschen voller Spiritualität erreichten, sodass die Gemeinde in dankbarer, aussagekräftiger Stille verharrte.

Josef Flörsch                                                                                                     ( Wetterauer Zeitung vom 8. 4. 2010 )

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Psalm 116: Von 16 Komponisten 1616 vertont

Friedberger und Oberhessische Kantorei legt außergewöhnliches Programm zur Passionszeit vor

Friedberg (rod). Zur Zeit von Heinrich Schütz, in der deutschen Spätrenaissance, hätten keine 50 Sängerinnen und Sänger auf einer Bühne gestanden. Anfang des 17. Jahrhunderts war jede Stimme nur mit ein bis drei Sängern besetzt - niemals mit Frauen, dafür mit Knaben und Kastraten. Dafür war die Musik für zwei bis vier Chöre konzipiert, wodurch ein vielschichtiges, filigranes Klangbild entstand.

Die Friedberger und Oberhessische Kantorei und das Barockensemble

Die Friedberger und Oberhessische Kantorei und das Barockensemble
Cantate Dominum unter Leitung von Ulrich Seeger. (Foto: rod)

Kantor Ulrich Seeger gelang das Kunststück, mit der Friedberger und Oberhessischen Kantorei ein ebenso durchsichtiges Klangereignis zu schaffen, denn er hatte sie wieder hervorragend vorbereitet auf diese zerbrechliche Musik, die durch ihre vielstimmigen polyfonen Schichten, rhythmischen Verschiebungen und dynamischen Feinheiten zur Herausforderung wird. Drei der 26 »Psalmen Davids, sampt etlichen Moteten und Concerten« hatte Kantor Ulrich Seeger für sein Chorkonzert zur Passion in der Friedberger Stadtkirche als Rahmen ins Programm genommen: »Aus der Tiefe ruf ich, Herr, zu dir«, »Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen« und »Wie lieblich sind deine Wohnungen«. Diese Psalmkonzerte sind reich an Bildern, die Schütz in Musik umzusetzen wusste. Die Musik vertont affektmäßig Bitte und Dank, Trauer und Zorn, Jubel und Freude. Manche Konzerte sind hingegen eher Echo-Spiele der einzelnen Chorstimmen, in denen sich ein vielschichtiges Klangbild ergibt, das an markanten Stellen wieder zusammenfließt.

Die Idee zum großen Vokalkonzert hatte Schütz, der erste deutsche Komponist von internationalem Rang, übrigens 1613 aus Venedig mitgebracht. Kaum wieder in Deutschland angekommen, nutzte er die reichlichen Möglichkeiten der kursächsischen Hofkapelle zum mehrchörigen Musizieren. Diese Vielstimmigkeit und die ständigen verschobenen Einsätze machten den Text stellenweise schwer verständlich, doch die Kantorei glänzte mit guter Artikulation. Kleine Solopartien hatte Seeger diesmal aus dem Chor besetzt, was sich im Hinblick auf einen geschlossenen Chorklang als gute Entscheidung erwies. Ein- bis dreistimmig - im Geiste Schütz’ - stimmten die Solisten in Psalm 121 die Verse an, bevor der Chor als Echo einfiel.

Zu den Davidspsalmen stellte Seeger drei Vertonungen des 116. Psalms, ein Teil des Gesamtwerks »Angst der Hellen und Frieden der Seelen«, das ein sächsischer Hofbeamter aus Dankbarkeit für die Errettung aus einem Unglück 1616 bei insgesamt 16 Musikern in Auftrag gab - nicht des Zahlenspiels, sondern des Dankgelübdes im Text wegen. 16 Vertonungen, komponiert zur gleichen Zeit im gleichen regionalen Raum von namhaften Komponisten mit unterschiedlichen ästhetischen Ausrichtungen - eine solche Vergleichsmöglichkeit ist selten.

Seeger hatte unter ihnen Melchior Franck, Andreas Finold und Michael Praetorius ausgewählt. Wenn auch in der Kompositionsweise ähnlich, unterschieden sich die drei Interpretationen des Textes doch deutlich voneinander: Das Werk Francks war ein Wechselspiel zwischen filigranen Soli und starken Tutti, das Finolds mit strahlendem Bläserklang und vielen Imitationen ausgestattet, und das des wohl bedeutendsten Komponisten, Praetorius, mit seinen orchestralen Zwischenspielen stand als längstes und virtuosestes unter ihnen folgerichtig am Ende des Konzertprogramms.

Die Steigerung, die alle Werke zum Schluss hin auszeichnete, arbeiteten die Musizierenden hervorragend heraus. Der Musik angemessen hatte Seeger mit dem Barockensemble »Cantate Domino« für historisch korrekte Besetzung des Instrumentalparts gesorgt. Zinken, Posaunen, Theorbe, Orgelpositiv und Streicher ergaben einen runden, weichen Klang, der mit dem Chor eine Einheit bildete; die Musiker nahmen sich prononciert und einfühlsam der Werke an.

So erhielt das gesamte Konzert einen tragenden Klang mit wohldosierten Akzenten und lud in der Passionszeit zu rund 85 Minuten ernster, aber spannender Musik ein, die diesmal allerdings nicht so viele Besucher anzog wie Seegers Projekte gewöhnlich. ( Wetterauer Zeitung vom 31. 3. 2010 )

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Über 20 000 Euro in 2009 zur Verfügung gestellt

Mitgliederversammlung des Förderkreises für Kirchenmusik der evangelischen Kirchengemeinde mit erfreulicher Bilanz

Friedberg  (prs) Der Förderkreis für Kirchenmusik der Evangelischen Kirchengemeinde Friedberg  hatte am  Sonntag seine öffentliche Mitgliederversammlung in der Burgkirche. Ihr ging wie gewohnt ein Kammerkonzert voraus: drei Streichquartette, von Haydn, Mozart und Reger, gespielt vom Buchberger-Quartett.

Vorstand 0210

Kantor Ulrich Seeger mit dem Vorstand des Fördervereins ( v. l. ) Siegfried Preiser,
die Vorsitzende
Barbara Bieler, Volkhard Lüders, Sabine Wagner und Hendrik Hollender

Die Vorsitzende Barbara Bieler berichtete danach über Aktivitäten des Förderkreises für die Kirchenmusik in Friedberg, der vor fast 15 Jahren von elf Mitgliedern gegründet worden war. Die Mitgliederzahl ist inzwischen auf 136 gewachsen. Kassenwartin Sabine Wagner berichtete, dass aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden im Jahr 2009 Fördermittel in Höhe von mehr als 20.000 Euro zur Verfügung standen. Die meisten Spenden kommen von aktiven Chorsängern und von Kinderchoreltern, aber auch etliche Gemeindemitglieder und Freunde der Kirchenmusik tragen zum erfreulichen Gesamtergebnis bei. Der Förderkreis hat diese Mittel als Zuschüsse für Konzerte sowie für die kirchenmusikalische Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung gestellt.

Kantor Ulrich Seeger gab – unterstützt durch eine Bildpräsentation – einen Überblick über die wichtigsten Eck- und Höhepunkte des vergangenen Jahres, darunter die Konzerte, der Festgottesdienst zur Einführung des neuen Kirchenpräsidenten, eine Chorreise in Friedbergs Partnergemeinden am Comer See. Besonders hervorzuheben ist, dass die Kinderchorfreizeiten und die Kinder-Sing- und Bibelwoche inzwischen etwa 100 Kinder und Jugendliche erreichen.

Während die meisten Konzerte nur durch größere Zuschüsse zu finanzieren sind, erweisen sich die Sommerkonzerte wegen der zunehmend höheren Besucherzahlen inzwischen als nahezu kostendeckend. Bezüglich Qualität und der Breite des Angebots wird auch das Jahresprogramm 2010, das anschließend vorgestellt wurde, keine Einbußen hinnehmen müssen (siehe www.kirchenmusik-friedberg.de).

 Hans Wolf, der Vorsitzende des Ausschusses für Kirchenmusik der Evangelischen Kirchengemeinde, betonte, dass die Kirchenmusik in Friedberg aus der Sicht des Kirchenvorstands eine Leuchtturmfunktion für das Gemeindeleben habe. Er überbrachte dem Förderkreis den Dank des Kirchenvorstands für die ideelle Unterstützung und für die entscheidenden finanziellen Beiträge zu Kunst und musikalischer Verkündigung in der Kirche, ohne die derart vielseitige und musikalisch anspruchsvolle Musik in Friedberg nicht möglich wäre.   ( Wetterauer Zeitung vom 15. 2. 2010 )

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2009

Klang- und glanzvolle Festlichkeit

Friedberger und Oberhessische Kantorei lassen Vivaldis Musik im Weihnachtskonzert erstrahlen

Friedberg (rod). So groß, wie die' Basilica di San Petronio in Bologna ist, musste Giuseppe Torelli in der zweiten Hälfte des 17, Jahrhunderts strahlende Trompetenklänge zum barocken Streichorchester hinzukomponieren, um die Messen an hohen Festtagen angemessen musika­lisch zu begleiten. So brachte er als Teil der »Bologneser Komponistenschule« mindestens 36 Werke für Trompete und Streicher hervor. Auch wenn die Friedberger Stadtkirche nicht annähernd dieselben Dimensionen aufweist, die glanzvolle Musik Torellis war auch hier wie geschaffen für die Eröffnung des Weihnachtskonzertes der Friedberger und Oberhessischen Kantorei sowie des Jugendchors unter Leitung von Ulrich Seeger. Festliche 'Klänge eröffneten und beendeten das Konzert, das in diesem Jahr neben Torelli vor allem Antonio Vivaldi, dem berühmten Barockkomponisten, gewidmet war. Dessen kantatenhaftes »Gloria« erhält seinen festlichen Charakter durch seine beschwingten, freudigen Ecksätze und vor allem die Besetzung: eine Trompete - das Instrument, das fürstliche Macht verkörperte - und eine Oboe, die zu den Streichern und der Basso Continuo-Gruppe hinzukommen.

Robin Wukits spielte mit seiner Bach-Trompete eine entscheidende Rolle für Auftakt und Ende, denn er und das Streichorchester eröffneten den Abend mit dem Trompetenkonzert in D-Dur von Giuseppe Torelli. Robin Wukits nahm mit seinem leichten, federnden Spiel und dem weichen Klang die Zuhörer mit in zwei Stunden zumeist geistlicher Festtagsmusik auf höchstem Niveau. Vokalwerke wechselten sich ab mit reinen Instrumentalwerken, so einem Konzert für Trompete, Oboe und Streicher von Johann Wilhelm Hertel, einem Vertreter des »empfindsamen Stils« der deutschen Frühklassik. Vera Volz an der Oboe und Robin Wukits bildeten ein Duo, das .klanglich hervorragend miteinander harmonierte und melodisch oft kontrastierte; die Trompete überstrahlte die Oboe zwar vor allem in der hohen Lage, doch konnte Volz ihr kantables Können im zweiten Satz ausspielen, der der Oboe allein zugedacht war.

Die anderen Programmpunkte bildeten einen Querschnitt durch Vivaldis geistliche Kompositionen, zum einen die Psalmmotette »Domine ad adjuvandum me festina« (Eile Herr, mir zu helfen) und das Magnificat, zum anderen das Gloria in D-Dur. Teilweise waren die Werke keineswegs im Auftrag der Kirche komponiert; vielmehr schrieb Vivaldi sie für die Mädchenchöre des Ospedale della Pietà, eines der wohltätigen Wohnheime Venedigs, in denen anonyme Adlige ihre unehelichen Töchter unterbringen ließen. So entwickelten sich die Konzerte der Vokalsolistinnen und des Chores zu einem Zentrum des venezianischen Musiklebens. Männliche Stimmen gab es damals nicht, und bis heute ist es ein Rätsel, warum in den überlieferten Abschriften Tenor- und Bassstimmen enthalten waren. Bei der Aufführung fiel auf, dass sie insgesamt sehr hoch liegen - vielleicht waren sie für tiefe Frau­enstimmen angelegt. Seegers Kantoreien und die Mitglieder des Jugendchors agierten insgesamt sehr ausgewogen und rund, auch in der Dynamik wieder fein abgestuft, doch gerieten sie manchmal etwas in den Hintergrund im Vergleich zum Orchester, vielleicht gerade wegen der Stimmlagen. Auch das Programm gab dem Chor diesmal etwas weniger Raum im Konzert, doch dass sie kraftvoll und jubilierend einfallen konnten in den Or-
chesterklang bewiesen sie vor allem beim Gloria. Freudige und typisch barock-verspielte Passagen wechseln sich hier mit geistlichen Melodien in teils mystischer Simplizität ab, und sowohl die Freude wie auch die dunkle Schwere des hoffnungsvollen Flehens konnten Chor, Solistinnen und Orchester atmosphärisch umsetzen. Zwölf arienhafte Sätze stellen die heiteren, mit Koloraturen und Melismen versehenen Belcanto-Textteile den meist in Moll stehenden, »flehenden« Kantilenen gegenüber. Vivaldi ist Meister darin gewesen, gefällige Belcanto, gelehrten Kontrapunkt und Simplizität zu vereinen.

Die drei Gesangssolistinnen ließen die Musik ihrer Arien, ob allein oder im Duett, strahlen. Kristina Schaum gab der Psalmmotette, dem Magnificat und ihren Partien aus dem Gloria mit ihrem glasklaren, teilweise ins dramatische spielenden Sopran eine wunderschöne Intensität. Die etwas leichtere Sopranstimme von Jutta Hahn harmonierte im Duett sowohl mit Schaum als auch hervorragend mit der dunkleren Stimme der Altistin Katharina Padrok, die ihre Dramatik vor allem in den tiefer liegenden Passagen ausspielen konnte.

Den strahlenden Abschluss bildete die Fuge des Gloria - wenn auch von Vivaldi bei seinem Zeitgenossen Ruggieri »entlehnt« und verbessert -, die das Konzert in festlich-barockem D-Dur enden ließ. Ein Wunder eigentlich, dass das Gloria fast zwei Jahrhunderte vergessen unter anderen Manuskripten lag, bis es 1920 gefunden und erst 1957 in seiner originalen Version veröffentlicht wurde. Heute ist es das mit Sicherheit bekannteste geistliche Werk von Vivaldi und auch eines seiner eindrucksvollsten.    ( Wetterauer Zeitung  24. 12. 2009 )


Musik Ausdruck kindlich-gläubiger Andacht

Friedberqer
und Oberhessische Kantorei und Junge Philharmonie gestalten Antonin Dvoraks Requiem

Friedberg. Zum Totensonntag und als Abschluss der IV. Wetterauer Kirchenmusiktage führten die Friedberger Kantorei, die Oberhessisehe Kantorei, die Junge Philharmonie Fried­berg, die Solisten Jana Reiner (Sopran), Annekathrin Laabs (Alt), Lars Lettner (Tenor) und Mar­kus Lemke (Bass) in der Heilig-Geist-Kirche und in der evangelischen Stadtkirche das Oratorium »Requiem op. 89« auf, das Letzte der großen Kantatenwerke von Antonin Dvorak (1841 bis 1904). Zwar weilte er in England, wollte aber für ein Oratorienfest in Birmingham dieses große Werk komponieren, das am 9. Oktober 1891 dort unter seinerLeitung mit großem Jubel aufgenommen wurde.


Dvoräk war ein kindlich-gläubiger Katholik.Er nahm die damals bis zum H. Vatikanischen Konzil gebräuchlichen Texte der »Missa pro de­functis- (Totenmesse) mit Introitus (Requiem ae­ternam), Kyrie, Graduale, Sequenz (Dies Irae), Offertorium, Sanctus, Benedictus, Agnus Dei, Pie Jesu und Lux aeterna, und gliederte sie in zwei Teile (in Friedberg drei Teile) mit 13 Nummern und legte jeden Satz nach seinem Gehalt aus. Er beginnt das Oratorium im leisesten Pianissimo mit einem viertönigen Motiv, das er aus der Me­lodie zu »Requiem aeternam« gebildet hat, das die ganze Messe durchzieht und ihr formal eine einheitliche Struktur verleiht. Die vier Töne bilden einen »barocken- Chiasmus und ermögli­chen durch ihre Chromatik eine ständige harmo­nische Ausweitung während des ganzen Opus'. Durch ihre Kreuzfügung gemahnt sie an Tod, ewige Ruhe, an Klage, Gericht und ewiges Licht. Dabei setzt Dvorak oft dynamische Kontraste vom Pianissimo bis Fortissimo ein, in die sich die Solisten zum Chor gesellen und im Kyrie um ewi­gen Frieden und Gottes Erbarmen bitten. Die Se­quenz, das »Dies Irae, dies illa« besingt das Er­zittern vor dem Richter und findet dazu ein »mu­sikalisches Fegefeuer«, zu dem im »tuba mi
rum« die Posaunen des Gerichts ertönen.
 
Ein Ruhepunkt im Requiem bildet das »Recordare«, ein Quartett für die vier Solostimmen, in  dem sie mit stimmlicher und melodischer Schön­heit und inständigem Bitten um Erbarmen und Schonung flehen. In Nr.7 »Confutatis male­dictis« charakterisiert Dvorak die Flammen mit emporschießenden Skalen der Streicher und bit­tet dann, dass der Herr sie »gnädig zu sich ruft«. In »Lacrimosa« endet nach einer expressiven Steigerung mit leidenschaftlichem Aufschrei das »Arnen«, das im Pianissimo erstirbt. Der zweite Teil beginnt mit dem »Offertorium« der Messe und ist dem Text entsprechend lichter gehalten und mündet ein in die kunstvolle, weite Fuge »Quam olim Abrahae«, deren Melodie einem tschechischen Choral »Fröhlich lasst uns singen« nachempfunden ist. Dieser Jubel klingt noch als Höhepunkt im »Sanctus« an und steigert sich im »Benedictus« mit dem Lobpreis »Hosianna in ex­celsis«.

Im vorletzten Teil, dem "Pie Jesu«, kehrt Dvo­rak zum Schlussvers des »Dies irae« zurück und führt zur innerlichen Sammlung und Stimmung. Der letzte Satz »Agnus Dei« steigert sich zu ei­nem Schrei nach Erlösung und dem ewigen Licht, um ruhig und andächtig auszuklingen, un­terbrochen von einem letzten Aufflackern des To­desmotivs, das das ganze Werk prägt. Der Chor ist mit Ausnahme des »Recordare« an allen Num­mern beteiligt, mit einer Vielfalt von musikali­schen, mit tiefen und zarten Gefühl erfüllten Bil­dern, mit stets beunruhigenden, hier quälenden, dort tröstlichen Fragen des Todes und Lebens, hier zu meditativen, bald enthusiastischen, dann wieder gradlinig und schlicht ergebenen Ant­worten auf diese Fragen. Die Vokalsolisten meis­tern ihre Aufgaben sicher; vor allem die beiden Frauenstimmen begeisterten; die Männerstim­men konnten den weiten Raum in den tiefen La­gen nicht immer füllen. Die Junge Philharmo­nie Friedberg meisterte virtuos ihre Aufgabe. Al­le Mitwirkenden folgten mit großer Disziplin und Intensität den künstlerischen Intentionen ihres Dirigenten Ulrich Seeger, wofür das Publi­kum dankbaren Applaus spendete.  ( Josef Flörsch, Wetterauer Zeitung 26. 11. 2009 )

 

Mit den Judäern ins Exil nach Babylon

Eindrucksvolle Erstaufführung des Kinder-Singspiels »Jeremia« in der Heilig-Geist-Kirche

Der Kinderchor

Friedberg (rod). »Die mit Tränen säen, weinend Samen streuen, werden jubelnd ernten, lachen und sich freuen.« Es ist auf den ersten Blick ein trauriger, ernster Stoff, den Ulrich Seeger und Gabriele Gaukel diesmal für ihr Kindersingspiel gewählt haben; das zeigt die Textzeile des Chors der Judäer, die im Exil leben müssen. Doch in der Geschichte um den Propheten Jeremia, der sein Volk in der Verbannung trösten und aufrichten will, gibt es auch viel Hoffnung, Liebe und Vertrauen auf Gott, und das konnten die Autoren in der Musik und im Text so gut vermitteln, dass die jungen Sängerinnen und Sänger des Friedberger Kinderchors mit Feuereifer in dieTextfeld: Der Kinderchor Friedberg unter Leitung von Kantor Ulrich Seeger geht mit Begeisterung an das biblische Thema heran. (Foto: rod) Geschichte eintauchten. Sie spielten und sangen in der Heilig-Geist-Kirche unter Leitung von Kantor Ulrich Seeger, der das Stück mit Brigitte Klingenberg und den Friedberger und Butzbacher Kinderchören einstudiert hatte.

Grundlage für die neue Auftragskomposition der Wetterauer Kirchenmusiktage 2009 war das biblische Buch Jeremia, an die die Geschichte eng angelehnt ist. Jeremias Volk, die Judäer, leben in Babylon im Exil, nachdem Jerusalem von den Babyloniern eingenommen ist. Andere Propheten rufen zum Aufstand gegen die Besetzer auf, doch Jeremia, der in Jerusalem unter Hausarrest steht, predigt den Frieden, damit sein Volk irgendwann wieder in Jerusalem einziehen kann. Er lehrt, dass die Judäer ihren Glauben an den einen Gott nicht verlieren sollen: »Zukunft und Hoffnung will ich euch geben - wendet ihr neu euch zu mir hin, höre ich euer Gebet.«

. Doch sein Gegenspieler, der Prophet Schemanja, sorgt dafür, dass er ins Gefängnis geworfen wird, und wendet sich selbst an die Exilgemeinde, um Kämpfer für einen Befreiungskrieg zu rekrutieren: »Hart sind unsre Feinde, härter müsst ihr sein. Denn nur dann zieht ihr als Sieger wieder in die Heimat ein!« Er findet viele, doch am Ende fällt zur falschen Zeit das abgemachte Losungswort, bevor die Freiheitskämpfer in Jerusalem angekommen sind, und die Judäer gehen endgültig unter. Das Singspiel endet mit einem gebrochenen Volk, das dennoch seine Hoffnung nicht verliert und auf den Tag wartet, an dem es jubelnd heimkehren kann. Doch auch ein bisschen Augenzwinkern haben die Autoren beim Planen gehabt: Einer der babylonischen Stadtwächter, die eigentlich die Judäer drangsalieren sollen, beweist plötzlich Humor und stimmt »By the Rivers of Babylon« an - was für einige Schmunzler im Publikum sorgt.


Ulrich Seeger schafft es, die verschiedenen Stimmungen - Trauer, Hoffnung, auch Liebe und Freude auf die ferne Heimkehr - musikalisch in Melodien umzusetzen, die ins Ohr gehen. Ganz oft geht das mit der typischen Ambivalenz der Klezmermusik, immer schwankend zwischen Tanz und Klage, zwischen Lachen und Weinen. Bei der Anrufung des ewigen und einzigen Gottes klingt großer Pathos an, man fühlt sich fast versetzt in die Filmmusik eines monumentalen Bibelfilms. Die Melodien, angelehnt an jiddische und israelische Wurzeln, mit ihren für westliche Ohren ungewöhnlichen Wendungen verlangten den zahlreichen jugendlichen Solisten und Solistinnen einiges ab, aber alle zeigten sich bestens vorbereitet und meisterten ihre Stimmen bravourös - etwa Clara Kreuzkamp als Jeremia, Marieke Klöppel als Schemanja, Katharina Gaukel als Hanna oder Cora Jasmin Aufdemkamp als Dan, um nur einige der rund 30 jungen Hauptakteure zu nennen.


Vor allem bei den kanonischen zweistimmigen Passagen des Chors aber wurde der Text schwer verständlich, weshalb der im Programmheft abgedruckte Text der poetischen Lieder umso hilfreicher war. Komplettiert wurde das Werk erst durch das instrumentale Ensemble, bestehend aus einigen Streichern, Klarinette, Flöte, Schlagwerk und Klavier, das wie immer bei Aufführungen der Kantorei auf höchstem musikalischen Niveau agierte und mit dem großen Kinderchor den beeindruckenden Klangfarbenreichtum der Musik aufleben ließ. Hinzu kamen liebevoll gemalte Kulissen und gestaltete Kostüme.

Die Aufführung im Rahmen der Wetterauer Kirchenmusiktage, die sich auch thematisch an das Motto »Trösterin Musik - In der Nacht ist sein Lied bei mir« anlehnte, erntete viel Applaus für die Chöre und Musiker, aber auch für das Leitungsteam.  
( Wetterauer Zeitung, 28. 10. 2009 )

 

Angst der Hellen und Frieden der Seelen 

Dek
anatsmusiker Ulrich Seeger feiert mit zwei Festkonzerten sein 30-jähriges Dirigentenjubiläum.

Friedberg. Mit zwei Festkonzerten in der evangelischen Kirche Zwerenberg und der Stadtkirche Friedberg feierte Dekanatsmusiker Ulrich Seeger jetzt sein 30-jähriges Dirigentenjubiläum. 1979 gab er in seinem Schwarzwälder Heimatort das erste der Zwerenberger Kirchenkonzerte. Seit seiner 15-jährigen Kantorentätigkeit in Friedberg hat er die Chorformation  oft in Fusion mit dem Vokalensemble Friedberg erfolgreich in der Kreisstadt fortgesetzt.

Das ungewohnte Thema des Konzertes »Angst der Hellen (Höhen) und Frieden der Seelen« verrät Seegers Grundsatz, immer wieder nach unbekannten, interessanten Raritäten der Barockzeit Ausschau zu halten. Obiges Thema beruht auf einem schweren Unglück, das einem sächsischen Hofbeamten, Burkhardt Großmann, 1616 zugestoßen war und zu dessen Errettung dieser aus Dankbarkeit als wohlhabender, literarisch und musikalisch gebildeter Mann, bei 16 ihm bekannten und befreundeten Musikern aus Sachsen und Thüringen den Auftrag gab,Vertonungen des 116. Psalmes als Titel seines persönlichen Dankopfers zu nehmen, das so zu einem einzigartigen Dokument der Musikgeschichte wurde.

Das C
horkonzert eröffnete Ulrich Seeger mit seinen beiden Vokalensembles Zwerenberg und Friedberg, dem Barockensemble »Cantate Domino«, auf historischen Instrumenten mit dem »Psalm 116« (1623) von Heinrich Schütz (1585 bis 1672), der als der erste deutsche Musiker von europäischem Rang zu gelten hat. Von dem Psalm nahm Burkhardt Großmann für den Titel die Verse: »Stricke des Todes hatten mich umfangen und Angst der Hellen hatten mich troffen« und später die Rettung durch Gott: »Denn du hast meine Seele aus dem Tode gerissen ... Ich will meine Gelübde dem Herrn bezahlen.« Heinrich Schütz setzt hier das Zusammenwirken gegensätzlicher Klangträger (Barockviolinen, Zink, Posaunen, Violone, Dulcian, Theorbe und Orgelpositiv, verschieden' gestaffelte Chorpartien) ein und vor allem, ob vokal oder instrumental, die enge Sprachnähe des Schütz'schen Interpretationsstils.

Auf Schü
tz folgte der gleiche Psalm von Michael Praetorius (1571 bis 1621), wohl dem universellsten deutschen Musiker des 17. Jahr­hunderts. Er war Sohn eines lutherischen Pfarrers und machte das evangelische Kirchenlied zum Zentrum seines kompositorischen Schaffens und das in allen erdenklichen Kompositionsformen und -gattungen. Seine Satztechnik ist makellos und überzeugend, seine kontrapunktisch-motivische Arbeit weist in die Zukunft und geht virtuos bis an die Grenzen des damals Möglichen. Um Praetorius' Können richtig zu würdigen, lässt Seeger dessen umfangreiches Choralkonzert »Vater unser im Himmelreich« folgen, in dem sich Instrumente und Stimmen bis zur 19-Stimmigkeit öffnen, also das Concerto grosso (Tutti) und Ripieno (hier die aufs Beste bewährten Solo-Soprane Jutta Hahn und Damaris Hoch), ebenso die Chor- und Instrumentalgruppen.

Di
e dritte Fassung des »Psalm 116«, diesmal von Johann Hermann Schein (1586 bis 1630), steht fraglos auf gleicher Höhe mit derjenigen von Heinrich Schütz. Schein bietet eine durchkomponierte Form mit äußerst knapp formulierten Versen, die aber mit Leidenschaft und. einem virtuos bewegten Alleluja dargeboten werden. Noch einmal gewährte Seeger dem bereits besprochenen Komponisten Michael Praetorius mit dem Choralkonzert »In dich hab ich gehoffet, Herr« einen zweiten Einsatz, in dem der Meister wiederum mit seiner Kunstfertigkeit und mit mehreren Ritornellen den evangelischen Kirchenchoral würdigt.

D
as Jubiläums-Chorkonzert bestätigte die Grundtendenz Seegers, nach unbekannten, aber interessanten Raritäten Ausschau zu halten und brachte Werke, die kaum einmal in Konzerten erscheinen. Durch den hohen Einsatz aller Mitwirkenden erreichte er insgesamt eine unglaubliche Dichte und Spirtitualität, wie die Stille und dann der lange, dankbare Beifall der Gemeinde offenbarte.                        ( Josef Flörsch, Wetterauer Zeitung  v. 29. 9. 2009 )


Friedberger Chöre überzeugten mit Schubert und Dobrogosz

Ein ungewöhnliches und besonderes Programm stellten am Samstagabend, d. 6. 6. 2009 der Jugendchor Friedberg und ein Projektchor aus Mitgliedern der Friedberger Kantorei in der Evangelischen Kirche Bönstadt vor. Die Leitung hatte Ulrich Seeger, dessen klare musikalische Vorstellung sich schon in der oft noch klassizistisch angelehnten frühen G-Dur-Messe Franz Schuberts zeigte, die den Abend eröffnete. Stilsicher und präzise gestalteten die beiden Chöre, begleitet vom Jungen Kammerensemble Friedberg, zusammen hier ein Stück Musik, an dem auch der „erste bürgerliche Messenkomponist“ selbst sicher seine Freude gehabt hätte.
Bemerkenswert war die Leistung des Jugendchores, zumal die beiden Chöre in der Regel unterschiedliches Repertoire proben. Die Jugendlichen fanden sich nicht nur sehr gut in den Gesamtklang, auch konnten sie stimmlich überzeugen, als sie alleine ein afro-amerikanisches Spiritual vorstellten, das zusammen mit einem durch britische Frömmigkeit und Emotionalität geprägten „Anthem“ von John Rutter die beiden Hauptwerke des Abends verknüpfte.
Im Zentrum des Abends stand alsdann die kraftvolle „Mass“ von Steve Dobrogosz. Der 1956 geborene Komponist verbindet in seinem ganz eigenen Kompositionsstil Elemente verschiedenster Stilrichtungen zu einer zugleich persönlichen und aufrüttelnden Tonsprache: Wie ein Pattern aus der Minimalmusic erklingt das „Kyrie eleison“ mehrfach im Alt, bevor sich die anderen Stimmen einreihen, gespickt mit Jazzelementen fügt sich ein Klavier in den Gesamtklang oder kommentiert diesen (einfühlsam im Spiel und sehr präsent: Rüdiger Klein). Mit großer Natürlichkeit verstand Ulrich Seeger die einzelnen kompositorischen Elemente zu einem musikalischen Ganzen zu vereinen, getragen davon blühte der Chor noch einmal im Besonderen auf und gab dem Publikum zu verstehen, was die „Messe unserer Zeit“  eigentlich ist: eine sehr bewusste Anrufung, die zugleich Zuversicht auszustrahlen vermag. Dafür bedankte sich das Publikum schließlich mit wohlverdientem, langanhaltendem Applaus.                                                                                                              ( Charlotte Schäfer )


Amtseinführung der Bürgermeisterin musikalisch begleitet
Friedberger Chöre bei Partnergemeinden am Comer See - Zwei Chorkonzerte als Höhepunkte
  Ein Gastaufenthalt eines Projektchors der Friedberger Kantorei und des Friedberger Jugendchors unter Leitung von Kantor Ulrich Seeger bildete einen neuen Höhepunkt der Partnerschaft Friedbergs mit vier Gemeinden am Comer See. Für die erst im Frühjahr 2009 besiegelte Freundschaftsbeziehung mit Oliveto Lario war es der erste offizielle Besuch aus Friedberg seit der Vertragsunterzeichnung. Für die anderen drei Orte Magreglio, Civenna und Barni wurden bereits seit 1990 Städtepartnerschaften und Freundschaftsverträge geschlossen.
  Begleitet von Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender und Susanne Rothmund erlebten die Besucher  zeitnah den Wechsel im Bürgermeisteramt von Civenna, wo Bürgermeister Angelo Colzani seit einer Woche im Amt war. Die Amtseinführung von Bürgermeisterin Giovanna Arrigoni in Magreglio begleiteten die Chöre mit einem Potpourri aus Madrigalen, Schlagern und pfiffig gesetzten deutschen Volksliedern.
  Kulturelle Höhepunkte für Oliveto Lario und Civenna waren jedoch zwei Chorkonzerte. Die 30 erwachsenen und 15 jugendlichen Sängerinnen und Sänger, begleitet von vier Streichinstrumenten und dem Pianisten Rüdiger Klein, sangen unter anderem die G-Dur-Messe von Franz Schubert und die moderne „Mass“ von Steve Dobrogosz, eine Messe unserer Zeit mit Jazz-, Pop- und Klassikelementen.
  Städtepartnerschaften dienen dazu, die Beziehungen zu Land und Leuten auf vielen Ebenen zu vertiefen. In dieser Hinsicht kamen die Besucher aus der Wetterau voll auf ihre Kosten: Die Landschaften der Tessiner Alpen, Berge, Dörfer und Kirchen am Comer See sowie die blühende Pflanzenwelt im herrlichen Sonnenschein hinterließen unvergessliche Eindrücke.
  Spaziergänge durch die malerische Altstadt von Bellagio, Besichtigungen von Villen und Parkanlagen, eine Schiffsfahrt zum Zisterzienserkloster in Piona, ein Besuch im Radsportmuseum in Magreglio waren Höhepunkte.
   Zum kulturellen Austausch gehört auch die Esskultur des Landes. Bei den viele Gänge umfassenden Menüs, zu denen die Friedberger von den gastgebenden Gemeinden eingeladen worden waren, wurde auch dem letzten Jugendlichen klar, dass nicht die Pizza das hervorstechende Nationalgericht Italiens ist. Trotz aller sprachlichen Verständigungsprobleme bestätigten die herzliche Freundlichkeit und die überschwängliche Gastfreundschaft die Gewissheit, dass das Wertvollste an einer Partnerschaft die Menschen sind.                                                                 ( Dr. Siegfried Preiser, Wetterauer Zeitung v. 24. 6. 2009 )

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